Projektbericht #2 – Kuchen backen und die Nachbarn kennenlernen

Inzwischen biete ich schon seit zwei Wochen wildfremden Menschen ein Stück Kuchen an. Was würdest Du machen, wenn eine unbekannte Frau mit Kinderwagen vor Deiner Haustür steht und Dir einfach so ein Stück Kuchen anbieten würde?

 

5 Kommentare aus meiner Nachbarschaft:

  • Ja, sehr gerne!
  • Hahahaha – nein Danke. Warum?
  • Das ist aber eine nette Idee. Kommen Sie rein!
  • Ich darf keinen Kuchen essen.
  • Kuchen ist immer gut.

Über die Überwindung an einer fremden Haustür zu klingeln

Stell Dir vor, Du würdest mit einem Kuchen in der Tasche an einer fremden Haustür klingeln. Würdest Du es wirklich tun?

Es mag Menschen geben denen so etwas leicht fällt. Mir nicht. Tatsächlich fiel mir die Vorstellung leichter, als die Klingel zu drücken. Jede Klingel kostet Überwindung und meistens laufe ich erst einige Häuser entlang, bis ich den Mut finde mit meinem Finger die Klingel zu berühren.

Und vielleicht hat mich gerade deswegen diese Idee nicht losgelassen. Seine Komfortzone regelmäßig zu verlassen öffnet einem neue Horizonte oder eben Türen, an denen man vorher vorbeigeschlichen ist.

Mein innerer Kritiker, der mich daran hindern will meine Komfortzone zu verlassen, quatscht auf mich ein: Sicher dieses Haus? Hm… Vielleicht besser ein Neueres, ein Älteres, ein Näheres, eins weiter weg,… Und sollte Timo nicht langsam schlafen? Wäre ein Spielplatz für den Kleinen nicht besser als ein fremdes Haus? Du MUSST das nicht tun. Bestimmt ist eh keiner da…   Bla bla bla.

Grrr

Ich bitte das Universum mir die Menschen vor die Haustür zu schicken. Einfach so – als hätte ich geklingelt.

Es erscheint mir weniger eindringlich in die Privatspähre, wenn die Menschen von selbst vor die Haustür treten – ohne dass ich sie bei was auch immer störe.

 

Sie stehen überall, diese Nachbarn!

Sie holen Post, arbeiten im Garten, parken das Auto in die Garage, öffnen einem Möbellieferanten, putzen Fenster und kommen gerade nach Hause. Wo vorher gefährliche Monster hinter verriegelten Türen lauerten stehen plötzlich ganz echte Menschen – einen Gartenzaun entfernt vor mir, dem Kinderwagen und dem Kuchen.

Wenn ich stehen bleibe, erreicht mich manchmal ein Blickkontakt. Bevor mein Kritiker mich weiterschicken kann frage ich: „Haben Sie Lust auf Kuchen?“

Manche reden nur mit mir zwischen Gartentor und Gehsteig, manche nehmen sich Kuchen für später heraus, manche bieten mir einen Kaffee an. Mit anderen rede ich auch nur auf dem Spielplatz, beim Bäcker oder im Aufzug zur U-Bahn – mit oder ohne Kuchen…

Je mehr Kuchen ich anbiete, um so weniger denke ich mir dabei – als wäre es selbstverständlich fremden Menschen Kuchen anzubieten!

Nachbarn sind doch eigentlich alle, die gerade neben uns stehen

 

 

Was sollen denn die Nachbarn denken?

 

Es gibt Nachbarn für die scheint es eine Selbstverständlichkeit zu sein, dass jemand Fremdes vorbeikommt und Kuchen anbietet! Sie sagen so schnell ja und bitten mich herein, dass ich nochmal nachfragen muss, ob sie es ernst meinen und ich es richtig verstanden habe!

 

„Ich hab schon gehört, dass eine junge Frau herumlaufen soll und Kuchen anbietet…“

 

Vorbei ist es mit der Anonymität einer Großstadt. Menschen, die Kuchen anbieten merkt man sich. Breits nach zwei Wochen treffe ich auf Menschen, die mich freundlich grüßen – weil ich erst kürzlich mit ihnen irgendwo sprach.

Ältere Menschen die schon lange im Viertel wohnen, treten mir misstrauischer gegenüber neu Zugezogene. Warum ist das so? Vielleicht haben sie Angst vor Einbrechern, vielleicht sind sie generell skeptisch gegenüber Neuem, weil sie sich schon so lange hinter ihrer Tür einschließen und die vielen netten Menschen im Viertel gar nicht kennen. Vielleicht wurde auch ihr früheres Vertrauen zu oft missbraucht.

Schade.

Ich frage mich, ob nicht viel mehr Menschen einfach mal klingeln sollten um Hallo zu sagen! Einfach so – ohne Hintergedanken, ohne Staubsauger in der Tasche, einer Spendenbox oder einem Zeitschriftenabo.

Als ich heute den Müll hinaus brachte habe ich mich gefragt, wann bei mir mal jemand vorbeikommt und Kuchen anbietet?

 

Sollte bei mir mal wieder einen Klingeln – sei es der Postbote, ein Handwerker oder ein Staubsaugervertreter…

 

…ich werde fremden Menschen, die bei mir Klingeln ab sofot einen Kuchen anbieten 🙂

 

Bäckst Du mit?

 

Nicht nur ich backe zwischen dem 20.09-25.10.2017 Kuchen für meine Nachbarn. Nicy bäckt in diesem Zeitraum Lebkuchenherzen und verteilt Zettel an alle, die nicht aufmachen. Mal sehen wie es bei ihr so läuft und lief kannst Du hier –> Projekt Nachbarschaft Sonnenstraße

 

 

Projekt Anfang verpasst? Hier findest Du Projektbericht #1, Projektstart und Projektidee